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entnommen aus dem Buch: Almena-Geschichte eines Dorfes vom Verein für Dorfgeschichte und Kultur in Almena e. V. ISBN 3-87085-149 und -150 von 1990/91
Der Schulstreit von 1666
Das durch die Spende des Krügers Rickmeier ermöglichte Experiment einer von der Küsterei getrennten Schule ist nach anfänglichem Erfolg 1666 gewaltsam beendet worden. Diese Schule war natürlich keine weltliche Schule in unserem Sinne, auch sie unterstand voll und ganz der kirchlichen Aufsicht und sollte die Kinder auf den Katechismusunterricht des Pfarrers vorbereiten. Die Ernennung der Schulmeister lagen beim Konsistorium (Kirchenleitung). Einzugsbereich der Schule war die gesamte Kirchengemeinde. Die beiden Nebenschulen in Meierberg und Nalhof sind erst zu Beginn des 18.Jhd. entstanden. Es hat zwar schon vor 1665 Versuche gegeben, auch im Meierberge und bei der Exter, hier durch eine Zegenkerl genannte Person, Unterricht zu halten, doch sind sie gescheitert.
Für die Almenaer Schule war es ein Glücksfall, dass 1623 Johannes Huxol Schulmeister wurde. Er war einheimischer Kolon und nicht gänzlich auf die jämmerlichen Einnahmen der Schule, zu der nicht einmal Garten gehörte, angewiesen. Er hat die 20-30 Kinder, die damals zum Unterricht kamen, 42 Jahre lang bis zu seinem Tode 1665, unterwiesen. Der Küster Lukas Tintel (verst. 1632) scheint froh gewesen zu sein, dass Huxol ihm die mühsame Schularbeit abnahm, wird er doch vom Pastor als "lustiger, frommer Mann", geschildert, "der sich lieber in Gesellschaften als bei seinen Schülern aufgehalten" hätte. Küster Caspar Schöning (verst. 1660) war etwas gewalttätig. Die Gogerichtsakten zeigen, dass er mehrfach in Schlägereien verwickelt war. 1659 verprügelte er sogar die Kirchenvorsteher, auch nahm er Worte wie "Schelm" und "Hure" gegenüber dem Krüger Rickmeier und seiner Frau in den Mund. Die Schule hat er dem Schulmeister niemals streitig gemacht.
Dies änderte sich unter Schönings Schwiegersohn und Nachfolger Johannes Klostermeier völlig. Dieser war entschlossen, die Stelle des Schulmeisters mit der des Küsters zu vereinigen, um auf diese Weise die Schuleinnahmen an sich zu bringen. Da der Küster überhaupt kein regelmäßiges Geldeinkommen außer den Stolgebühren (Gebühren für die Durchführung kirchlicher Amtshandlungen) hatte, kann man verstehen, dass er die Schulgelder sich aneignen wollte. Bereits zu Lebzeiten hat Klostermeier den alten Schulmeister von seinem Amt und Diensten bringen wollen.
Nach dem Tode Huxols führten die Bauerrichter von Nalhof und Bremke eine Volksbefragung durch. Die Eingesessenen entschieden sich für die Beibehaltung der von der Küsterei unabhängigen Schule. Der Pastor und die Almenaer, mit Ausnahme des Krügers Rickmeier, unterstützten die Pläne des Küsters. Die Regierung entschied sich gegen die Almenaer und schickte 1660 Johannes Gerber, einen "Fremdling und Bürgerkind aus Bremen" in unser Dorf.
Gerber gehörte zu dem damals so zahlreichen akademischen Proletariat, Personen, die trotz eines Studiums nicht in die wenigen gehobenen Positionen gelangen konnten und sich mühsam als Lehrer oder Schreiber durchschlagen mussten. Er beherrschte die lateinische Sprache, kannte die Bibel und war überaus selbstbewusst. Er war nur 32 Wochen in Almena Schulmeister, aber in dieser Zeit machte er es durch seine Einbildung dem Küster leicht, ihn zu vertreiben.
Gleich am Beginn seiner Tätigkeit begann er einen umfangreichen Schriftverkehr mit dem Konsistorium. Fast jede Woche kam damals ein Schreiben aus Almena in Detmold an. Schon bald geriet er mit dem Küster in einen Streit darüber, wer mit den Kindern zu den Beerdigungen gehen durfte. Der Lehrer wurde in diesem Fall von der Regierung voll unterstützt. Indessen mobilisierte der Küster die Bevölkerung gegen Gerber. Besonders der Dorfschmied Heinrich Nüllmeier, unmittelbarer Nachbar des Lehrers, bekämpfte ihn aktiv.
Nach vielen Streitereien, handfesten Auseinadersetzungen war die Regierung der Schrieben aus Almena wohl sehr müde. Sie beauftragte den Amtmann Meyerhof von Sternberg mit der Untersuchung der Sache. Sein Urteil war vernichtend für Gerber. Er fand, dass er "ein gar liederlicher und nicht allein der unerzogenen Jugend, sondern auch der ganzen Gemeine ärgerlicher Kerl ist."
So wurde Gerber aus seinem Amt entfernt und der Küster mit der vorläufigen Verwaltung der Lehrerstelle beauftragt. Aber nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium. Die Personalunion von Küster und Lehrer dauerte in Almena bis 1918.
Die Schule zwischen 1666 und 1780
Das von Krüger Rickmeier gestiftete Schulhaus erwies sich 1733 als so baufällig, das die Gemeinde eine neue Schule als Anbau an das Küsterhaus errichtete. Dieses zweite Almenaer Schulgebäude lag in dem Winkel zwischen Küsterei und Kirchhof. Sein Grundriss ist noch heute gut erkennbar, in dem schiefen, vorspringenden Anbau an die Korf`sche Wirtschaft. Die Rickmeiersche Schule wurde vermietet. Dabei kam es zwischen Pastor und Küster zu einem Streit um die Mieteinnahmen. Wir wissen nicht, wie dieser Streit zwischen Kirche und Küsterei entschieden wurde. 1744 aber ist die Rickmeier`sche Schule so verfallen, das die Decken die Regierung um ihren Abriss bitten.
So wurde das erste Schulhaus unseres Dorfes niedergelegt und das Grundstück dem Küster als zweiter Garten zugewiesen. Dieser bedurfte einer Erhöhung seiner Einnahmen. Hatten sich doch zu Beginn des 18.Jhd. die Meierberger und die Nalhofer von der Almenaer Schule getrennt, was die Einkünfte der nun "Hauptschule" genannten Almenaer Schule empfindlich minderte. Es ist darum verständlich, wenn der Küster scharf auf das ihm zustehende Schulgeld bedacht war. Zu einem Aufruhr führte dies in der Amtszeit des Küsters Reineke im Jahre 1745. Reineke hatte ausstehende Schulgelder durch den Bauerrichter eintreiben lassen und so den Zorn der Almenaer erregt. Unter der Führung des Kolons Depping Nr.1 und des Bauerrichters Huxol kamen sie zusammen, schlossen ein Bündnis gegen Reineke und beauftragten einen Rechtsanwalt mit der 'Wahrnehmung ihrer Interessen. Das Schreiben des Advokaten zeigt, das die Almenaer eines guten Schulunterrichtes dringend bedurften, da fast alle ihre Vollmacht auf das vorgedruckte Formular mit "XXX" eintrugen. Der Jurist warf dem Küster 22 schwere Vergehen vor.
Eine genaue Untersuchung durch die Regierung erwies, das alle diese ungeheuerlichen Beschuldigungen gegen den Küster völlig haltlos waren. Alle angegebenen Zeugen antworteten: "Nescio" (weiß nichts von der Sache). Natürlich wird der eine oder andere Anklagepunkt nicht gerade aus der Luft gegriffen sein.
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