Aktiv im Netz


Gute Gespräche am Fortbildungstag in Almena


Holger Nickel und Heike Wagenführ hielten Vorträge

Heidi Weber und Heike Wagenführ

Aktiv gegen Zukunftsängste Jugendlicher

Fortbildungstag in Almena diskutierte über Konzepte

 

Der Verein „JuKulEx e.V.“ und das Kreisjugendamt Lippe hatten zu einem Fortbildungstag unter der Fragestellung „Wie gehen wir mit Zukunftsängsten Jugendlicher um? Was können wir vor Ort tun?“ ins Dorfgemeinschaftshaus Almena eingeladen. Insgesamt achtzehn Mitarbeitende von Jugendeinrichtungen, Lehrer/innen, kirchliche Mitarbeiter/innen und auch einige Schülerinnen waren dieser Einladung gefolgt. In der ersten Gesprächsrunde gaben sie an, dass sie besser verstehen wollten, was Jugendliche umtreibt und dass sie erfahren wollten, welche Hilfsangebote es für junge Menschen und ihre Angehörigen in der Region gibt. Außerdem war vielen der Austausch mit Jugendmitarbeiter/innen anderer Einrichtungen wichtig.

 

Holger Nickel vom Blaukreuz-Zentrum in Bad Salzuflen stellte zunächst die Erkenntnisse der jüngsten SHELL-Jugendstudie über „Zukunftsfragen Jugendlicher“ vor. „Die großen Fragen von Jugendlichen sind im Vergleich zur letzten Studie im Jahr 2002 ähnlich geblieben“, so Nickel. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen hätten sich jedoch verändert: Junge Menschen gerieten bei breiter werdenden Möglichkeiten stärker als in früheren Jahren unter Druck, unter anderem weil die Anforderungen der Betriebe an Schulabsolventen gestiegen seien. Holger Nickel wies darauf hin, dass ein großer Teil der befragten 2500 Jugendlichen erstaunlich pragmatisch mit diesen gestiegenen Anforderungen umgehe: „Nur etwa acht Prozent der Befragten beschreiben ihre persönlichen Zukunftsaussichten als düster“, so der Diplom-Sozialarbeiter aus Bad Salzuflen. Für Jugendliche aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien verschärfe sich die Situation allerdings. Ihr Risiko, den gestiegenen Erwartungen nicht gerecht werden zu können und nach der Schule arbeitslos zu bleiben, steige deutlich. Über 70 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass sie Familie einen hohen Wert zumessen. Die meisten würden ihre Eltern als unterstützend erleben. Allerdings würden viele den Halt verlieren, wenn die Familie durch finanzielle Schwierigkeiten unter Druck gerät oder durch Trennung der Eltern auseinander bricht, so Holger Nickel. Zum Schluss seines Vortrags ging der Referent noch auf innerpsychische Ursachen von Zukunftsängsten bei Jugendlichen ein. Misstrauen gegenüber als unglaubwürdig erlebten Erwachsenen, die Furcht, nicht anerkannt und geliebt zu werden und ein mangelndes Selbstwertgefühl könnten Ängste auslösen. Für Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, sei es deshalb wichtig, die jungen Menschen beratend zu begleiten, Selbständigkeit und Selbstwert zu fördern und ihnen als authentische Vorbilder eine klare Orientierung zu bieten.

 

In der Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss, spielte unter anderem die Frage eine Rolle, wie viel Nähe bzw. Distanz ein Berater zu einem Jugendlichen einnehmen müsse. Heike Wagenführ vom schulpsychologischen Dienst in Lippe sprach sich dafür aus, eine professionelle Distanz zu wahren, den Hilfe suchenden Jugendlichen jedoch Wertschätzung zu geben für alle kleinen Schritte, die sie geschafft hätten.

„Was kann man tun, wenn man bei jungen Menschen in der Schule Probleme sieht, aber die Jugendlichen Hilfe ablehnen?“ Petra Esch-Hodde, Lehrerin an der Realschule Extertal, stellte diese Frage zur Diskussion. Ein Gesprächsteilnehmer meinte, es sei verständlich, dass Schüler keine Hilfe bei Lehrerinnen und Lehrern suchten, da sie diese häufig als Gegner wahrnehmen würden. Heike Wagenführ riet, zunächst zu klären, wo die Ursachen für die Probleme liegen: in der Schule, in der Familie oder im Freundeskreis. Nur bei schulisch bedingten Problemen könne die Schule wirksam helfen. In den anderen Fällen sollten Familienberatungsstellen oder andere Fachleute hinzugezogen werden. Welche Institutionen, Ärzte und Kliniken in der Region um Rat und Hilfe gebeten werden können, das stellte die Psychologin in ihrem Vortrag dar. Sie wies darauf hin, dass die Wartezeiten bei Psychotherapeuten, bei Beratungsstellen und bei der stationären Unterbringung zum Teil recht lange seien. Heike Wagenführ machte den Anwesenden jedoch Mut, die Betroffenen dennoch zu ermuntern, sich in Krisen professionelle Hilfe zu suchen. Sie wies außerdem darauf hin, dass kirchliche Beratungsstellen und Einrichtungen eine große Chance hätten, für Menschen eine Hilfe zu sein, die mit Trauer und Ängsten zu kämpfen hätten. "Kirche verfügt über Rituale, die für Menschen in Not hilfreich und heilsam sein können", so die Mitarbeiterin des schulpsychologischen Dienstes in Lippe.

 

In drei Arbeitsgruppen gingen die Teilnehmenden im Anschluss an die Vorträge auf einige wichtige Themenschwerpunkte ein und erarbeiteten im Gespräch sowie in Übungen Lösungsansätze für die Arbeit mit Jugendlichen in Krisensituationen. In der Schlussrunde brachten die Teilnehmenden zum Ausdruck, dass der Fortbildungstag für sie eine Hilfe gewesen sei. Man habe wichtige Erkenntnisse gewonnen und sei motiviert, diese in der Arbeit mit den Jugendlichen umzusetzen. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sei interessant und spannend gewesen und habe der Vernetzung untereinander gedient.

 

Albrecht Schäffer dankte zum Schluss des Fortbildungstages Heike Wagenführ  und Holger Nickel für Ihre informativen Vorträge und den Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmern für ihr aktives Mitwirken. Er lud alle Beteiligten dazu ein, die gute Zusammenarbeit fortzusetzen und sich an der Aktionswoche zur Suchtvorbeugung in Lippe vom 15. bis 21. September zu beteiligen.